Sathya Sai Baba - Ziel aller Reisen

Phyllis Krystal

Der Weg einer Amerikanerin zu Sai Baba und mit seiner Führung zu ihrem eigenen Selbst.

 

8. Auflage 2011, 355 Seiten, broschiert, Bestell-Nr. 1065

ISBN 978-3-924739-21-8

Phyllis Krystal (Jahrgang 1914) arbeitet als Psychotherapeutin und hat eine eigene Methode entwickelt, zu der sie Seminare in Europa und den USA anbietet. In dem Buch „Sathya Sai Baba - Ziel aller Reisen“ teilt Phyllis Krystal ihre Erfahrungen mit Sathya Sai Baba auf ihrer Suche nach der Wahrheit. Lebendig schildert sie ihre Begegnungen mit ihm in der Zeit von 1972 bis 1983 und wie er sie durch eine Reihe von Problemen und äußerst traumatische Ereignisse führte. Die von Sai Baba oft wiederholte Aussage „Mein Leben ist meine Botschaft“ wird von der Autorin als vollkommene Wahrheit erkannt, indem sie sagt, dass sein Leben und seine Lehre inspirierende Beispiele eines wahren Lehrers seien.

 

Phyllis Krystal, ein Leben lang bestrebt, für sich und andere Befreiung zu erlangen von Vorurteilen, Zwängen, Verhaltensmustern und Ängsten, welche den modernen Menschen gefangen halten und krank machen, wird in den USA und auch in Europa zunehmend bekannter durch ihre Bücher und Seminare über die Methoden, die sie zur Heilung im feinstofflichen Bereich entwickelt hat.

Ihre Suche nach dem Meister, der sie die entscheidenden Schritte zum letztendlichen Ziel, dem Einswerden mit dem göttlichen Selbst, lehren würde, führte sie nach mehreren spirituellen Reisen in verschiedene Teile der Erde 1972 in das Magnetfeld des außergewöhnlichsten spirituellen Lehrers unserer Zeit, des Avatars Sathya Sai Baba in Südindien.

Dieses Buch ist eine sehr aufrichtige und äußerst gründliche Schilderung ihrer persönlichen Erfahrungen mit der „Methode" des Avatars, seine Schülerin die Schritte zum Ziel zu lehren: Er hilft ihr kraft seiner Liebe und Weisheit, auch in den dramatischsten Lebenssituationen die innere Verbundenheit mit Gott als einzige wahre Bindung bestehen zu lassen und dadurch Rettung zu erfahren.

 

 

Leseprobe aus dem fünfundzwanzigsten Kapitel

 

Wieder zu Hause angelangt, hörten wir von den Plänen zur Vorbereitung der Feierlichkeiten anlässlich Babas sechzigstem Geburtstag im November 1985. Baba betonte ausdrücklich, dass er keine Geschenke wolle. Stattdessen schlug er vor, dass die Devotees in den drei Jahren bis dahin ein kombiniertes Programm des „Selbstlosen Dienens“ und zur „Begrenzung der Wünsche“ befolgen sollten. Auf diese Weise leitete er einen anscheinend völlig neuen Aktionsplan im Zuge der Vorbereitungen zu diesem besonders bedeutungsvollen Geburtstag ein, die – wie er wusste – auf der ganzen Welt bald starten würden. Ich sage absichtlich „anscheinend neu“, denn in Wahrheit geht es um dieselbe Sache, die er bereits am Anfang seiner Mission enthusiastisch gefördert hat – nämlich das Anheben des Lebensniveaus – zunächst in Indien durch die Wiedereinführung der uralten vedischen Lehren, die das reichste Erbe dieses Landes sind. Er weiß aber nur zu gut, dass dauerhafte Veränderungen nicht plötzlich zustandegebracht oder Menschen aufgezwungen werden können. Veränderungen können notwendigerweise, wie alles natürliche Wachstum, nur in einem langsamen und graduellen Prozess stattfinden, wenn sie von Dauer sein sollen.

Wenn ich auf die relativ kurze Zeitspanne seit unserer ersten Reise nach Indien – als wir hinfuhren, um Sai Baba persönlich zu sehen – zurückblicke, sehe ich viele subtile Veränderungen, die inzwischen als direktes Resultat seiner geduldigen und konzentrierten Bemühungen, seine Devotees zu positivem Handeln bei der Ausführung seiner Pläne anzuleiten, herausgekommen sind. Er übt keinen Zwang aus, sondern scheint ständig wie ein Strom zu fließen. Er umgeht die Wackersteine und großen Blöcke und räumt die kleineren Hindernisse, die ihm Widerstand leisten, sanft, aber unerbittlich aus dem Weg. Er missachtet niemals Tradition oder Brauchtum, bringt aber kraft seiner Lehre, dass die Liebe die einzig wirksame Macht ist, die Widerstände zunichtemachen kann, dennoch unmerklich Veränderungen zuwege. Er lässt auch nicht die kleinste Gelegenheit aus, seine Botschaft mit nicht endender Geduld zu wiederholen, weil er sich absolut sicher ist, dass sie letztendlich Früchte tragen wird.

Der scheinbar neue Vorstoß, den er unternahm, stand also ganz im Einklang mit seinen Lehren. Er packte lediglich diese Gelegenheit beim Schopf und benutzte das Verlangen seiner Devotees, die ihn anlässlich des traditionell wichtigen sechzigsten Geburtstags ehren möchten, um die Durchführung seiner Pläne zu beschleunigen. Bis jetzt war Baba für alle, die in wachsender Anzahl zu ihm hinströmten, leicht erreichbar. Leute aus allen Schichten und fast allen Ländern der Erde kommen zu ihm. Sie gehören allen bekannten Glaubensbekenntnissen an, aber auch eine ganze Reihe von selbsternannten Atheisten und Agnostikern ist dabei. Sie alle bringen ihre zahllosen Bittgesuche vor. Durch viele Jahre hindurch hat er ihnen ihre Wünsche auf eine Weise erfüllt, wie es kluge, liebevolle Eltern bei ihren Kindern tun. Hier und dort hat er bei seinen unzähligen Aktivitäten und Ansprachen die wesentlichen Züge seiner Lehren eingeflochten und sie häufig mit reizenden kleinen Geschichten illustriert. Jetzt zeichnet sich allmählich eine feine Änderung in seiner Haltung dadurch ab, dass er seine Devotees zunehmend mehr dazu drängt, ihre Seva-Bemühungen zu verdoppeln.

Er hat immer wieder betont, dass er seinen Devotees geben werde, was sie sich wünschen, in der Hoffnung, dass sie eines Tages das wünschten, was zu geben er gekommen sei. Nun erwartet er von uns, dass wir aufhören, ihn um irgendwelche Güter und Begünstigungen zu bitten, und dass wir willens sind, ihn zu fragen, was er möchte, das wir in der Welt tun. Er betont, dass Seva – oder Dienen – wichtiger sei als irgendeine andere spirituelle Übung. Er sagt: „Seva bringt mehr Früchte ein als die Wiederholung meines Namens, Meditation, Opfer oder Yoga, was spirituellen Suchern sonst meist empfohlen wird. Denn Seva dient zweierlei Zwecken: Der Vernichtung des Ego und dem Erlangen der höchsten Seligkeit.“

Seiten 313-315

 

 … Dann sprach er ausführlich über das Programm zur „Begrenzung der Wünsche“, das er in seinen verschiedenen Ansprachen in Bombay skizziert hatte. Es schien, als gelte jetzt seine ganze Aufmerksamkeit mir. Ich fragte mich, warum, denn ich wusste, dass diese Aufmerksamkeit nicht nur zu meinem persönlichen Nutzen sein konnte. Baba erklärte, dass es das Hauptanliegen des Programms sei, die Devotees dazu zu ermutigen, dass sie das Verschwenden von Geld, Lebensmitteln, Zeit und Energie – den vier Grundfaktoren des täglichen Lebens – einzuschränken lernten. Er versprach, dass diejenigen, die dieser Aufforderung folgten, nicht nur sich selbst nutzten, da das Begrenzen der Besitzwünsche ein reduziertes Anhaften an die materiellen Dinge mit sich bringe. Vor allem könnten die dabei entstehenden Einsparungen zur Unterstützung der weniger vom Glück Begünstigten genutzt werden. So könnten beide Programme – die Begrenzung der Wünsche und das selbstlose Dienen – gleichzeitig zum Nutzen aller verwirklicht werden.

Baba veranschaulichte diesen Punkt auf seine übliche, einfache, aber wirksame Weise. Zuerst betonte er mit Nachdruck, dass in der Welt viel zu viel verschwendet würde – was besonders auf die Vereinigten Staaten von Amerika zuträfe – während in anderen Ländern der Erde die Menschen hungerten. Er sagte, dass die Armen den Reichen in gewisser Weise etwas voraus hätten: Sie benutzten ihre Zeit und ihre Energie dazu, am Leben zu bleiben. Daher bliebe ihnen die Versuchung, Dinge zu verschwenden, zu nachsichtig mit sich selbst umzugehen oder zu sehr an weltlichen Besitztümern zu hängen, weitgehend erspart.

Baba sagte, dass viele Inderinnen Koffer und Schränke voll unbenutzter oder kaum getragener Saris besäßen. Da man im Verlauf einer Woche nur eine begrenzte Anzahl von Saris tragen könne, seien die restlichen nutzlos. In gleicher Weise sollten die Männer ihre kostspieligen Gewohnheiten einschränken, wie Karten- und Glücksspiel, Alkohol und Vergnügungssucht, die allesamt Zeit-, Geld- und Energieverschwendung bedeuteten. Eine weitere unnötige Extravaganz, so fuhr er fort, sei die Gewohnheit, exquisite und teure Essen zu geben, und zwar für Menschen, die sich sehr wohl selbst versorgen könnten. Er riet, das Geld, das dabei eingespart werden könne, zur Speisung der Armen zu nutzen, die von niemandem betreut würden.

Als nächstes kamen die kostspieligen Reisegewohnheiten dran, die er ebenfalls als Verschwendung bezeichnete. Man solle öfters den Zug anstelle des Flugzeugs benutzen. Auch die Hotels müssten nicht die teuersten sein, da man sie meist nur zum Schlafen brauche. Trotzdem empfehle er nicht – und zwinkerte mit den Augen –,  in einem Raum zu wohnen, in dem die Küchenschaben über den Boden flitzten. Er schien anzudeuten, dass man alle Faktoren wohl bedenken solle, bevor man seine Wahl trifft, und Extreme vermeiden solle.

Seine nächste Aussage war eine echte Überraschung für mich. Er sagte, dass Zeit eine Ware sei, an der jeder in der Welt genau den gleichen Anteil habe. Jeder von uns hätte genau vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung. So hatte ich die Dinge noch nie betrachtet. Baba fügte hinzu, dass verschwendete Zeit niemals ersetzt werden könne; sie sei für immer dahin. Er bemerkte, dass die meisten Menschen jeden Tag viel Zeit mit nichtigen, bedeutungslosen Aktivitäten verschwendeten, was sie unter anderem davon abhalte, dem Weg der Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod zu folgen. Er führte das Anschauen schlechter Filme an, das Lesen minderwertiger Romane und Zeitschriften, das Trinken und das Glücksspiel, und betonte insbesondere, dass unnötiges Reden und Klatsch nicht bloß Verschwendung von Zeit bedeute, sondern auch der Hauptgrund für das Verschwenden von Energie sei. Er verglich es mit einem Sieb, in das Wasser geschüttet wird. Das wertvolle Wasser geht verloren, da es in alle Richtungen abfließt, anstatt kanalisiert zu werden, so dass es einem bestimmten Zweck zugeführt werden kann.

Zum Schluss wies Baba noch darauf hin, dass es einen riesigen Energieverlust bedeute, wenn man negativen Gefühlsregungen wie Zorn, Gier, Neid und Eifersucht nachgebe. Diese Energien könnten wir auf weit nutzbringendere Weise anwenden. Er sagte, es sei eine weit verbreitete Gewohnheit, immer gleich zahllose Entschuldigungen zur Hand zu haben, wenn es darum gehe, Zeit und Energie für regelmäßige Meditation und – noch wichtiger – für Seva zu investieren. Mit Hilfe des vorgeschlagenen Programms und seinen klar definierten Richtlinien solle es möglich sein, die Verschwendung auf allen vier Gebieten zu verringern und Geld, Lebensmittel, Zeit und Energie, die dabei eingespart würden, zur Linderung der Not von Bedürftigen in der Welt einzusetzen.

Seiten 327-330